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Martin, Felix: Geld, die wahre Geschichte

Artikelnummer: 978-3-421-04592-8

Über die Geschichte und Bedeutung der Geldwirtschaft

Gewicht: 0.704 kg

Rezension der Redaktion:

Ein Buch über das Geld muss eine sehr diffizile Aufgabe sein, denn nichts ist schwieriger zu beschreiben und auszudeuten als das Selbstverständliche. Könnten wir uns ein Leben ganz ohne Geld vorstellen? Eine der interessanten Einsichten, die dieses Buch dem Leser vermittelt, besteht darin, dass es Handel und Wirtschaftsverkehr auch ohne Geld gab und gibt – vor der Erfindung des Geldes, aber auch später, ja, noch in unserer Zeit, als Wirtschaftskrisen Geld plötzlich wertlos sein ließen. Merkwürdigerweise kollabierten selbst große Volkswirtschaften nicht, sondern liefen auch ohne Geld weiter.

Felix Martin ist nicht allein Ökonom, sondern auch Altphilologe mit soliden Kenntnissen der klassischen Antike – das sind gute Voraussetzungen, wenn man eine Geschichte der Geld-Theorien schreiben will. Insbesondere sein Wissen über das griechische Altertum hilft ihm, die Ökonomie in ein anderes Licht zu tauchen. Die Geschichte des Geldes selbst kommt zwar auch vor, aber nur fragmentarisch und an keiner Stelle als Geschichte der Münzen oder des Papiergeldes, sondern im Wesentlichen schildert der Autor die Diskussionen über das Wesen des Geldes sowie über die Steuerung der Wirtschaft mit seiner Hilfe. Dabei kommt der Leser aus dem Wundern nicht heraus, wie widersprüchlich sich die einzelnen Theorien zueinander verhalten und wie wenig sich die großen Theoretiker selbst über fundamentalste Verhältnisse einig waren und sind. Man mag einwenden, dass es sich in der Philosophie nicht anders verhält, aber anders als die Ökonomen maßen sich die Philosophen nicht an, Gesellschaft und Wirtschaft lenken zu wollen. Man denke nur daran, dass das Gutachtergremium, das in Herbst und Frühling Gutachten für die Bundesregierung schreibt, allen Ernstes die „fünf Weisen“ genannt wird.

Geld ist, anders als John Locke dachte und noch heute viele denken, keine Sache, sondern ein Aspekt des sozialen Zusammenlebens, ein Mittel, die Gesellschaft zu organisieren, also „eine soziale Technologie“. Es stellt einen universellen Wertmaßstab dar und kann uns deshalb helfen, Buch über Soll und Haben zu führen und verschiedene Gegenstände und Dienstleistungen miteinander in Beziehung zu setzen. Endlich können wir dank des Geldes Werte von einer Person auf eine andere übertragen. Für uns ist es anders als noch für Locke eine Selbstverständlichkeit, dass Geld nicht allein nicht an Münzen gebunden ist, sondern auch nicht unbedingt von einem Staat ausgegeben werden muss – Martin bietet Beispiele noch aus jüngster Zeit, als sich Gesellschaften ohne staatliches Geld organisierten.

Kompliziert für Leser, die sich an ökonomische Argumentationen erst gewöhnen müssen, sind jene Kapitel, in denen der Autor die Geschichte der Auseinandersetzung zwischen den europäischen Regierungen und ihren Bevölkerungen erzählt, und an mancher Stelle wünscht sich der Leser eine ausführlichere Darstellung. Dabei ist Martin ein Gedankenstrich-Junkie, der seine Erläuterungen immer wieder mittels Gedankenstrichen mitten in seine langen Sätze platziert, wo sie den Leser nur allzuleicht den Faden verlieren lassen. Beispielsweise werden die meisten erst einmal überlegen müssen, in welcher Weise jede Ab- oder Aufwertung des Geldes für eine kräftige Vermögensumverteilung sorgt. Denn eigentlich sollte man ja meinen, dass die Inflation jeden in gleicher Weise trifft. Aber offensichtlich ist das nicht der Fall.

Als die Banken im Laufe der Neuzeit begannen, selbstständig Geld zu schöpfen, schmälerten sie so den Münzgewinn der Regierenden, der sich aus der Differenz zwischen dem Realwert einer Münze und ihrem Nennwert ergab. In dieser Zeit wurde eine „Große Monetäre Übereinkunft“ getroffen, womit Martin den Pakt zwischen den privaten Banken und der Garantie durch die staatliche Autorität (also den Herrscher) anspricht. „Der einzige Weg, um sicherzustellen, dass das von Banken geschöpfte Geld seine Funktion nachhaltig erfüllt, besteht darin, ihm die Rückendeckung der staatlichen Autorität zu verschaffen – das heißt eine Große Monetäre Übereinkunft zu treffen.“

Felix Martin hat nicht allein eine kritische Geschichte der Geldtheorien geschrieben, sondern er spart auch nicht mit Vorschlägen, wie man die jetzige Krise lösen kann. Sie ist seiner Ansicht nach eine Krise der Banken, nicht etwa eine Schuldenkrise der Staaten. Er schlägt als Ausweg eine höhere Inflation vor: „Die Krise hat ganz klar bewiesen, dass es ein schwerer Fehler war, eine stabile, niedrige Inflationsrate als hinreichende Bedingung ökonomischer Stabilität zu betrachten. Das eigentliche Ziel der Geldpolitik sind nicht Geldwert- oder Finanzmarktstabilität, sondern eine gerechte Gesellschaft und allgemeiner Wohlstand“. Sein zweiter Vorschlag geht noch mehr ans Eingemachte, trifft nämlich den obersten und geheiligten Grundsatz der bundesdeutschen Wirtschaftspolitik: „Zentralbanken sollten nicht unabhängig sein. Oder zumindest nicht in dem Maße, wie sie es heute sind.“

Stefan Diebitz

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Leseprobe
Format
gebunden mit Schutzumschlag
Seiten
432
Jahr
2014
Verlag
DVA
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