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Fuhrhop, Daniel: Verbietet das Bauen

Artikelnummer: 978-3-86581-733-4

Es ist falsch, wie wir mit unseren Bauten umgehen

Gewicht: 0.334 kg

Rezension:

„Verbietet das Bauen!“ ist schon ein merkwürdiger und provozierender Titel, und das Buch nennt sich ja auch eine Streitschrift; aber dann ist es doch ein zwar entschieden, aber jederzeit sachlich argumentierendes Buch mit einer leicht einsehbaren These und noch dazu vielen realistischen Vorschlägen, wie man es besser machen könnte.
Es gibt, so Fuhrhop, nicht etwa zu wenige Wohnungen, Büros und Häuser, sondern im Gegenteil viel zu viele; und noch dazu sind es die falschen Gebäude. Mit der Hilfe vieler Zahlen, eines umfangreichen Anmerkungapparats und einer nüchternen und unaufgeregten Argumentation gelingt es dem Autor, seine These zu untermauern. Die alten Häuser umzubauen, vielleicht ein Stockwerk draufzusetzen und überhaupt das Alte zu pflegen und behutsam zu verändern, anstatt alles abzureißen: das ist die eine Seite seines Rezeptes; die andere hat mit uns selbst zu tun, mit der notwendigen Veränderung unseres Verhaltens und der Reduktion unserer Ansprüche. Fuhrhop fordert Bescheidenheit und Verzicht, und insofern ist es zwar auch, aber nicht in erster Linie ein politisches Buch – sein Anspruch geht durchaus weiter.

Vielen, sogar sehr vielen Leuten wird die Grundthese seines Buches nicht schmecken; und überhaupt ist der Geist, aus dem heraus Fuhrhop argumentiert, sicherlich (noch?) nicht jedermanns Sache. Wir sollen näher zusammenrücken (das gilt für Menschen wie für die Häuser), wir sollen näher an der Arbeit wohnen, wir sollen Überflüssiges wegwerfen, um mit weniger Platz auszukommen. Überhaupt sollen wir das Vorhandene überlegter und ökonomischer nutzen; so schlägt er vor, Büroraum von verschiedenen Firmen oder Menschen im Wechsel zu benutzen, weil er sonst viel zu oft leersteht, er spricht sich für Wohngemeinschaften aus und möchte insgesamt die Gesellschaft anders organisieren. Klingt alles sehr sympathisch und eigentlich auch machbar, aber falls er überhaupt damit durchdringt, dann doch wohl erst in ferner Zukunft.
Denn welche der großen Parteien, welche Interessengemeinschaft könnte sich auf seine Seite schlagen? Architekten oder Baufirmen werden ihm etwas husten und auch die Politik schlägt ganz andere Wege ein. Ökologisches Bauen etwa gilt als ein Ausweg, aber Fuhrhop zeigt, dass es gar kein ökologisches Bauen gibt und es deshalb prinzipiell besser ist, nicht neu zu bauen – er spricht von den „angeblich so klimafreundlichen“ Häusern und kann auch verdeutlichen, dass sie keine Lösung bieten. Es ist dort so ähnlich wie bei der jetzt subventionierten Elektromobilität, die ebensowenig eine Lösung für die Verkehrsprobleme darstellt, sondern sogar erst neue Probleme schafft.

Am Ende seines Buches listet Fuhrhop über zehn Seiten hinweg detaillierte Vorschläge auf, die zum Teil sehr überraschend daherkommen. So formuliert er einen marktwirtschaftlichen Vorschlag, wenn er sich für überhöhte Mieten ausspricht: „Es mag absurd klingen und ist doch ganz logisch: Hohe Mieten und Kaufpreise schrecken Menschen ab, niedrige Kosten locken sie an. Dadurch bewegen die günstigen Mieten schrumpfender Städte manch einen dann doch zum Bleiben."

Ein kleines Manko dieses sehr überzeugenden Buches ist es, dass die Verkehrsprobleme nicht zusammen mit der Wohnsituation diskutiert werden: Beides gehört zusammen, wie an vielen Stellen deutlich wird und das Prinzip einer Lösung dürfte in beiden Fällen in dieselbe Richtung gehen.

Das Buch ist in jeder Hinsicht empfehlenswert, denn es argumentiert sachlich und faktenbeladen, dazu immer sowohl seriös als auch anregend und gelegentlich überraschend und endlich ist die Sorgfalt auffällig, die Druck und Text widerfahren ist. Ein sehr gutes Buch.

Stefan Diebitz

Verlagsinformationen:

Das Neue hat Konjunktur, auch und gerade in Architektur und Baubranche: hier ein neuer Bürokomplex, dort eine weitere Shoppingmeile oder eine schicke Wohnanlage für Gutverdienende - ganz zu schweigen von all den Prestigeobjekten, deren Kosten regelmäßig aus dem Ruder laufen.

Baubranche und Politik wollen uns weismachen, dass Neubauten entweder alternativlos oder aus energetischer Sicht unbedingt geboten sind. Dabei ist die wahre Ökobilanz beim Neubau meist alles andere als positiv, denn sein Flächen- und Rohstoffverbrauch bis zur Fertigstellung wiegt schwer.

Langsam formiert sich Widerstand und Menschen engagieren sich gegen den Abriss eines Teils ihrer Stadtgeschichte oder für die Erhaltung innerstädtischer Freiflächen wie jüngst beim Berliner Tempelhofer Feld. Daniel Fuhrhop begleitet ihren Kampf gegen die Bauwut nicht nur mit seiner Kampagne "Verbietet das Bauen", sondern bietet im vorliegenden Buch eine Fülle von Ideen an, um alte Substanzen zu erhalten - zum Gewinn von Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft.

© Oekom Verlag

weitere Titel des Autors

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Format
gebunden
Seiten
192
Jahr
2015
Verlag
Oekom Verlag
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