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Marx, Wolfgang: Bewusstsein

Artikelnummer: 978-3-8260-5878-3

Versuche über einen schlecht definierten Begriff

Gewicht: 0.21 kg

Rezension:

Für Wissenschaft wie Philosophie ist Bewusstsein ein Rätsel oder noch mehr, ein Skandal. Denn wie lässt es sich erklären, dass Materie überhaupt Denken hervorbringen konnte? Und ein ebenso großes Rätsel ist es, dass das Denken die Materie lenken kann. Was also ist das Bewusstsein, und sind wir in den letzten Jahren der Lösung dieses Rätsels etwas näher gekommen?

Descartes war schuld. Das ist eine der beiden Grundthesen von Wolfgang Marx, einem Professor für Kognitive Psychologie, der insgesamt sechzehn Artikel, von denen ein großer Teil zuvor im „Merkur“ erschienen ist, unter dem schlichten Titel „Bewusstsein“ zusammenfasst. Descartes war deshalb schuld, weil seine Unterscheidung von res extensa und res cogitans dazu beitrug, das Bewusstsein als eine Sache zu behandeln, also als ein Ding („res“). Und das ist natürlich grundverkehrt.

Wie soll, fragt der Autor, „der mentale Pilot“, also das Ich, seinen Körper steuern? Wie soll „ein denkender Punkt ein physisches Objekt bewegen? Es ist bis heute niemandem eine brauchbare Erklärung dafür eingefallen, wie zwei inkommensurable Substanzen miteinander interagieren könnten.“ Das ist wohl wahr, der cartesische Dualismus schafft nur Probleme, ohne selbst Fragen beantworten zu können.
Es ist, so Marx, die Quelle unzähliger Irrtümer, dass wir für Prozesse wie Denken, Handeln und Wollen ein Substantiv gefunden haben, ein „Pseudo-Objekt“ namens Bewusstsein. In seinem ersten Aufsatz schlägt Marx deshalb vor, das Bewusstsein als ein bloßes „Epiphänomen“ anzusehen. „So wie ein Spiegelbild mir beim Rasieren helfen kann, meine Bewegungen zu steuern, und das auch ohne kausal auf meinen Bewegungsapparat einwirken zu müssen, so kann die Widerspiegelung beispielsweise eines Sprechakts im Bewusstsein hilfreich sein, die Artikulation oder die Argumentation zu kontrollieren, einem schleppenden Tonfall gegenzusteuern oder ein schiefes Argument durch ein besseres zu ersetzen.“

In der zweiten Hälfte seines Buches hat Marx einige Kapitel der Freiheit und noch zusätzlich dem Erleben der Farben gewidmet, nämlich der Frage, ob wir tatsächlich „bei gleicher physikalischer Reizgrundlage auch die gleichen Farbqualitäten erleben.“ Das ist eine Frage, die sich unmöglich beantworten lässt – die Philosophie weiß das seit langem, aber natürlich kann man sie noch einmal stellen und ihre Probleme bei der Beantwortung anschaulich machen. Das gelingt Marx ziemlich gut, so wie er überhaupt sehr gut schreiben kann. Ob seine eigenen Antworten überzeugen können, muss jeder Leser selbst sagen.

© Stefan Diebitz

Verlagsinformationen:

Angesichts der Häufigkeit seiner Verwendung ist „Bewusstsein“ ein ungewöhnlich schlecht definierter Begriff. Das Wort wird verwendet, um über die Tatsache des Erlebens, seine Zustände und Inhalte zu reden, aber auch über metakognitives Wissen über die eigene Person oder über eine Population, es wird sogar gebraucht, um den kognitiven Apparat zu bezeichnen, ein immaterielles „denkendes Ding“ oder eine immaterielle Substanz. Es ist eine interessante Frage, warum die in der Regel trennscharfe Automatik der Sprachverarbeitung zwischen diesen so verschiedenartigen Bedeutungsmöglichkeiten nicht ausreichend zu differenzieren vermag. Sie scheinen in den Köpfen der Sprecher zu einem absonderlichen Amalgam verschmolzen zu sein, was gelegentlich zu einem Changieren zwischen unvereinbaren Bedeutungsmöglichkeiten führt, zu verschwurbelten Aussagen und einer Menge unsinniger Fragen. Da wenigstens ein paar Dinge klarzustellen, ist Ziel der vorliegenden Versuche.
Der Autor Wolfgang Marx studierte Psychologie, Philosophie und Humangenetik in Kiel und München. Er war von 1980 bis 1994 Professor für Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und von 1994 bis 2008 für Allgemeine Psychologie an der Universität Zürich. Er veröffentlichte eine Reihe wissenschaftlicher Bücher zu Themen der Kognitiven Psychologie und zahlreiche Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften und Büchern.

© Königshausen & Neumann

weitere Titel des Autors

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Leseprobe
Format
kartoniert
Seiten
146
Jahr
2016
Verlag
Königshausen & Neumann
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