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Birgit Erdle (Hg.), Werner Konitzer (Hg.): Theorien über Judenhass - eine Denkgeschichte

Artikelnummer: 978-3-593-50470-4

Quellen (18. - 20. Jh.) zum Antisemitismus, mit Kommentaren

Gewicht: 555 kg

Rezension:

Lange Zeit wurde angenommen, dass die theoretische Reflektion (?) über Antisemitismus erst nach dem Holocaust eingesetzt habe und im Wesentlichen ein Verdienst der „Kritischen Theorie“ der „Frankfurter Schule“ sei. Dies ist mittlerweile nicht mehr haltbar. Die von Brigit Erdle und Werner Konitzer herausgegebene kommentierte Quellenedition erinnert an die außerwissenschaftlichen Vorläufer der Antisemitismusforschung, die seit dem späten 18. Jahrhundert parallel zum Phänomen des modernen Antisemitismus entstanden.

Der Band widmet sich den Theorieentwürfen von elf berühmten Intellektuellen, die zwischen 1781 und 1931 veröffentlicht wurden. Aus den Werken von Christian Wilhelm Dohm, Saul Ascher, David Friedländer, Heinrich Heine, Karl Marx, Constantin Brunner, Max Wiener, Oskar Baum, Arnold Zwei und Felix Weltsch werden markante Passagen abgedruckt. Den Texten folgt jeweils ein quellenkritischer Kommentar ausgewiesener Experten, der den Entstehungs- und Wirkungszusammenhang der Werke beleuchtet. Dabei zeigt sich, dass die meisten Theorieentwürfe, im Antisemitismus zwar ein Problem der Mehrheitsgesellschaft erkannten, sich jedoch nicht vom zeitgebundenen politischen Kontext abzuheben vermochten. So fielen viele Autoren immer wieder in die Diskussion einer „Judenfrage“ zurück, indem sie Handlungsempfehlungen für die Juden aussprachen, während sie die Entwicklung wirkungsvoller Rezepte zur Bekämpfung des Antisemitismus vernachlässigten.

Dennoch ist die analytische Tiefenschärfe aller Theorieentwürfe beeindruckend. Auch wenn der damals dominante gruppensoziologische Ansatz heute als veraltet gilt bzw. durch die Individual- und Sozialpsychologie ergänzt wurde, haben die entscheidenden Erkenntnisse über die Wirkungsweise und gruppenspezifische Funktion des Antisemitismus den „test of time“ bestanden. Es zeigt sich, dass es im 19. und 20. Jahrhundert nicht an Wissen über die Entstehung und Ausbreitung des Antisemitismus mangelte, wohl aber an der Fähigkeit, in Krisenzeiten dem Willen zum Hass zu widerstehen.

Thomas Gräfe

Verlagsinformationen:

Wie hat man - vom späten 18. bis zum frühen 20.Jahrhundert -über den Antisemitismus nachgedacht? Diese Anthologie dokumentiert signifikante, oft vergessene Quellentexte, die sich mit dem Phänomen des Judenhasses auseinandersetzen und es theoretisch zu erklären versuchen. Sie zeigt die Erkenntnisarbeit, die in den zumeist von jüdischen Autoren verfassten Texten steckt und macht die Anstrengung deutlich, die darin liegt, dass diese Reflektionen in den nichtjüdischen Zeitgenossen oft kein intellektuelles Gegenüber fanden. Jeder der abgedruckten Quellentexte wird von einem kommentierenden Artikel begleitet.

© Campus Verlag

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Leseprobe
Format
gebunden
Seiten
361
Jahr
2015
Verlag
Campus Verlag
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