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Rosen, Klaus: Attila

Artikelnummer: 978-3-406-69030-3

Eine Überblick über die Geschichte der Hunnen

Gewicht: 0.539 kg

Rezension:

Wer war Attila? Ein charismatischer Führer für seinen eigenen Stamm, eine Schreckensgestalt für alle anderen, und für uns ein Mensch ohne Gesicht, denn wir wissen nur sehr, sehr wenig über die Hunnen. Woher kamen sie, wie klang ihre Sprache, sahen sie wirklich mongolisch aus? Klaus Rosen, ein renommierter Historiker und bereits mit einigen wichtigen Publikationen zur Zeit der Völkerwanderung hervorgetreten, hat ein „Attila“ genanntes Buch vorgelegt, das sich selbst als eine Biographie des legendären Königs versteht.

Aber im Grunde ist seine Aufgabe verzweifelt. Denn woher soll man etwas über die Hunnen wissen? Es gibt einige archäologische Funde, aber nicht eben viele, und sonst nur die Kommentare der römischen Historiker – und dass diese den Hunnen nicht wohlgesonnen waren, mag man wohl glauben. Im Grunde ist das meiste, was diese Leute schrieben, erstens überhaupt nicht gesichert, nämlich mit einer einzigen Ausnahme aus zweiter, dritter oder gar vierter Hand, und zweitens ganz unglaublich rassistisch, indem nämlich immer wieder die Hässlichkeit der Hunnen betont wird und ihre fehlende Kultur bemängelt wird.
Der letzte Punkt allerdings scheint absolut zutreffend zu sein, denn ganz offensichtlich besaßen die Hunnen keinerlei Interesse, irgendetwas Bleibendes zu hinterlassen, und so hinterließen sie auch tatsächlich weder Bauten noch Dichtung, und erst recht schufen sie keinen Staat. Über die Jahrzehnte hinweg blieben sie ein Haufen umherziehender Wüstlinge, die exzessiv tranken und sich vor allem für Gold, aber natürlich auch für Frauen und Mädchen interessierten. Ihre Grausamkeit war ebenso legendär wie ihre Geschicklichkeit mit Pfeil und Bogen.

So kann man es ihrem Historiker nicht vorwerfen, dass die Geschichte der Hunnen – denn Attila taucht in dieser Biographie erst auf Seite 107 auf – blass bleibt, dass sie kaum mehr bietet als eine Abfolge von Namen und Ereignissen, unter denen man sich kaum etwas vorstellen kann. Ob es sich um ost- oder weströmische Kaiser oder Heerführer, gotische Könige oder eben um die Hunnen handelt, spielt kaum eine Rolle, sondern eigentlich niemand unter diesen Akteuren besitzt ein Gesicht. Nicht einmal von Attila haben wir eine Vorstellung seines Äußeren – das Buch besitzt zwar einige Illustrationen, aber alle halten einen Abstand von mindestens tausend Jahren. Auch über Jugend, Erziehung und Ausbildung erfahren wir nichts, weil man nichts darüber weiß.
Der einsame Höhepunkt des Buches ist zugleich das längste Kapitel, „Ein Besuch bei Attila“ überschrieben. Rosen folgt hier den Aufzeichnungen des oströmischen Gesandten und Historikers Priscus, der Attila kurz vor dessen Tod in seiner Hauptstadt irgendwo im heutigen Ungarn besuchte und dort auf ein Leben stieß, das doch immerhin ein wenig weniger barbarisch war als befürchtet. Das sind eigentlich die einzigen Teile des Buches, die wirklich Farbe besitzen, so dass der Leser eine gewisse Vorstellung vom Leben in einer hunnischen Gemeinde gewinnt.

Das Buch ist in einem angenehmen, sachlich-zurückhaltenden Deutsch geschrieben und entsprechend gut lesbar, und einen größeren Kenner dieser Zeit als Klaus Rosen hätte man wohl nur schwer auftreiben können. Dass er uns so wenig über die Kulturgeschichte erzählen kann, kann man ihm kaum vorwerfen: Er erzählt uns eben das, aber auch nur das, was man heute wissen kann. Wenn man dem Buch einen Vorwurf machen will, dann sind das seine Karten, denn wenigstens hier hätte man für eine gewisse Anschaulichkeit sorgen können. Wo zum Beispiel liegt der Maeotissee, von dem die Hunnen einst aufgebrochen sein sollen? Weder der Text noch eine Karte können uns dabei weiterhelfen, sondern man bekommt das nur heraus, wenn man englischsprachige Wikipedia-Seiten aufruft: Diesen See (besser: Sumpf) muss man sich in der Nähe der Einmündung des Don in das Azowsche Meer vorstellen.

Stefan Diebitz

Verlagsinformationen:

"Die ganze Saat des Verderbens und der Ursprung der verschiedenen Katastrophen, welche die Wut des Kriegsgottes, alles mit außergewöhnlichem Brand erfüllend, heraufbeschwor, hatte folgende Ursache … das Volk der Hunnen." So beginnt der Historiker Ammianus Marcellinus seine Ausführungen über jene Reiterscharen von unbeschreiblicher Wildheit, deren Vordringen den römischen Erdkreis mit Entsetzen erfüllte. An der Spitze dieses Heeres stand um die Mitte des 5. Jahrhunderts Attila, die "Geißel Gottes" – wie er in der mittelalterlichen Überlieferung genannt wird. Klaus Rosen legt eine spannende Darstellung der Hunnen und ihrer Geschichte und zugleich eine Biographie ihres Königs Attila vor. Er bietet einen exzellenten Überblick über die Hunnen von ihren Anfängen bis zum Zerfall des Attilareiches unter den Söhnen des Herrschers. Und er entwirft ein anschauliches Bild von den Konflikten zwischen Barbaricum und Imperium Romanum, von den Machtstrukturen, den Protagonisten, den Schlachten – insbesondere der dramatischen Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (451) – und schließlich vom Ende Attilas.

© C. H. Beck

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Format
gebunden
Seiten
320
Jahr
2016
Verlag
C. H. Beck
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