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Jünger, Ernst: Späte Rache

Artikelnummer: 978-3-608-96074-7

Drei Erzählungen

Gewicht: 0.125 kg

Rezension:

Es ist ein schmaler, sorgfältig gestalteter und ästhetisch ansprechender Band, der drei der weniger bekannten Erzählungen Ernst Jüngers unter dem Titel „Späte Rache“ vereinigt. Den Auftakt macht die erst 2003 aus dem Nachlass veröffentlichte Erzählung „Drei Schulwege“, eine Art psychologische Studie über einen Jungen und seine Probleme mit der Schule – den drei Schulwegen entsprechen drei Schulen und Reifestadien. „Die Eberjagd“ ist eine Novelle nach einem antiken Vorbild; und die dritte Erzählung, wie „Die Eberjagd“ erstmals 1952 veröffentlicht, ist „Besuch auf Godenholm“.
Es sind nicht allein die weniger bekannten, sondern auch die weniger guten Erzählungen Jüngers, mit Ausnahme der zweiten sehr ereignisarm, geschrieben in einem gewählten Deutsch mit einem deutlichen Hang zum sentenziösen Sprechen. Eine Frau trägt kein Kleid, sondern ein „Gewand“, und immer wieder nimmt Jünger ein einfaches Geschehnis und deutet es mit einem einleitenden „So“ symbolisch aus: „So führen gewisse Kerfe (= altmodisch für Insekt) durch Blätter Schnitte, die nach den Formeln höherer Rechenkunst gebildet sind.“ Oder so: Bewegung und Ruhe „schnitten sich vielleicht an einem Punkt, wo Stürme schlummern wie Tiere, die man in ihrem Lager trifft. So geht den Träumen und ihren schnellen Flügen Einschläferung voraus.“ Manchmal allerdings finden sich großartige Vergleiche. Mit folgenden Worten beschreibt Jünger eine typisch skandinavische Granitküste: „Und auch das Land sah aus, als ob es aus grauer Hirnrinde geschnitten wäre, wenn es im blassen Schein der Mitternächte elektrisch dämmerte." Die Figuren besonders der dritten Erzählung erinnern sehr stark an Jünger selbst. Denn wie Ernst Jünger geben sich die Männer, die sich auf der norwegischen Insel Godenholm treffen, wissenschaftlichen Studien hin – aber selbstverständlich außerhalb der Universität. Auch gehören sie wie er zu der kurz vor dem 1. Weltkrieg geborenen Generation und sind von diesen Erfahrungen geprägt.

Ernst Jünger war ein Autor, dem vor allem das konservative Bildungsbürgertum huldigte und huldigt, aber es ist nicht ganz sicher, dass dieses Publikum seine Leidenschaften für alle Arten für Drogen teilte. Ein Lob auf den oft übermäßigen Weingenuss durchzieht sein ganzes Werk, aber später war Jünger auch offen für Experimente mit LSD. Die letzten Seiten von „Besuch auf Godenholm“ beschreiben die Eindrücke eines Drogenrauschs, und wieder benutzt er ein Vokabular, das ein wenig zu kostbar klingt: „Er stand im Innenhofe eines Schlosses, auf dem der pure Goldglanz lag. An seine Fläche schlossen sich in massivem Golde die Tempel, die Schatz- und Frauenhäuser, die Elefantenställe an.“ Ein wenig erinnern mich diese Phantasien an den „Steppenwolf“ Hermann Hesses und andere Bücher der klassischen Moderne. Von großer Sachkenntnis geprägt ist das Nachwort des Romanciers Thomas Hettche, der ganz offensichtlich einen guten Überblick über das Gesamtwerk Ernst Jüngers besitzt und auf zahlreiche Anspielungen hinweist, die die meisten Leser kaum bemerken würden. So zeigt er zum Beispiel, dass der Autor auf Gustav Schwabes „Götter- und Heldensagen“ mehrfach anspielt; auch Motive aus der antiken Mythologie werden von ihm offengelegt.
Mit dem geschmackvollen Schutzumschlag ist der Pappband ein hübsches Buch; dazu kommt der sorgfältig editierte Text mit seinem informierten Nachwort. Aber wer sich mit Ernst Jünger erstmals beschäftigen möchte – und es lohnt sich allemal –, sollte sich vielleicht ein anderes Buch vornehmen.

© Stefan Diebitz

Verlagsinformationen:

Dieser Band versammelt die weniger bekannten Erzählungen von Ernst Jünger. Die Titelgeschichte erscheint hier zum ersten Mal außerhalb der Werkausgabe.

Wolfram ist ein sensibler Junge, der leicht ins Träumen verfällt. Die drei Schulwege, die er nacheinander zu gehen hat, führen ihn zur Vorschule, zu einer private Knabenpresse und zum Gymnasium. Er geht sie nicht wegen, sondern trotz der Schule, die für ihn kein Ort der Förderung, sondern des Martyriums ist. Genauso ist der jugendliche Richard zunächst enttäuscht von der Erwachsenenwelt, weil er noch kein eigenes Gewehr besitzen darf. Bei der Eberjagd auf einer Lichtung verändert ein Erlebnis jedoch seinen Blick auf Mensch und Natur. Und auch die Gäste, die der Forscher und Philosoph Schwarzenberg auf der fiktiven skandinavischen Insel Godenholm empfängt, erleben surreale und beängstigende Dinge auf der Suche nach Annäherung und Rausch.

© Klett-Cotta Verlag

weitere Titel des Autors

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Format
gebunden
Seiten
125
Jahr
2017
Verlag
Klett-Cotta
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